Radio Pinneberg

??Das junge Radio aus dem Westen Hamburgs


Projektstruktur und Konzept

Unter dem Motto „Dein Junges Radio aus dem Westen Hamburgs“ gestalten Jugendliche aus Pinneberg und Umgebung seit März 2007 eine eigene wöchentliche Radiosendung. Themenfindung, Recherchieren, Interviews und Umfragen durchführen, Schneiden der Beiträge mit der digitalen Audioschnittsoftware, Schreiben von Moderationstexten, Musikauswahl, Erstellen des Sendeablaufplans, usw. – der gesamte Entstehungsprozess der Sendungen liegt in der Hand der Jugendlichen. Themen, Infos und Musik aus der Region stehen dabei stets im Vordergrund.

Radio Pinneberg ist eine länderübergreifende Kooperation des Offenen Kanals Schleswig-Holstein (OKSH) mit dem Bürger- und Ausbildungskanal TIDE 96.0 in Hamburg. Der OKSH stellt das mobile Sendestudio als Dauerleihgabe zur Verfügung und hilft mit Equipment, Knowhow und finanzieller Unterstützung; TIDE strahlt das Programm von Radio Pinneberg immer dienstags um 16 Uhr aus. Es ist in Hamburg und im Hamburger Umland auf UKW 96,0 sowie über die Kabelfrequenz 95,45 zu empfangen, außerdem weltweit per Livestream unter www.tidenet.de. Zusätzlich stehen alle bisher gesendeten Beiträge auf der Seite www.radiopinneberg.de dauerhaft als Download zur Verfügung. Dort gibt es auch regelmäßig aktuelle Infos über das Projekt.

Durchgeführt wird das Projekt vom Jugendzentrum Geschwister-Scholl-Haus (GSH) und der benachbarten Johannes-Brahms-Schule (JBS). Insgesamt zwei Live-Sendestudios, 25 digitale Audioschnittplätze und 30 mobile Reportagegeräte an beiden Standorten stehen den jungen Nachwuchsjournalisten jederzeit zur Verfügung. Mit Sebastian Marcks, der als Lehrer an der Johannes-Brahms-Schule tätig ist, konnte ein Radioprofi für das Projekt gewonnen werden, der über langjährige Erfahrung als Moderator und Nachrichtensprecher bei den landesweiten privaten Hörfunkanbietern R.SH, delta radio und Radio NORA verfügt. Zudem hat er für den Offenen Kanal Kiel seit 2003 zahlreiche Schüler- und Jugendradioprojekte eigenständig organisiert und betreut.

Die Projektleitung teilen sich Marco Schnitter als Vertreter des Jugendzentrums und Sebastian Marcks als Vertreter der JBS. Sie berichten regelmäßig an Ortrud Bruhn (Leitung JBS), Traudchen Perrefort (Stadt Pinneberg, Leitung Fachbereich IV – Schule, Kultur, Sport und Jugend), Werner Eggert (Geschäftsführung TIDE) und Peter Willers (Leitung OKSH). Unterstützt werden sie von Mona Zaki und Monika Gundlach (JBS) sowie Stefan Dose (GSH) und Harald Kenner (Evangelisches Jugendwerk Pinneberg), die jeweils eine Redaktionsgruppe leiten.

Weitere Kooperationspartner sind die Junge Presse Pinneberg (JPPI), die seit Sommer 2007 regelmäßig Grundlagenseminare für Neueinsteiger anbietet, sowie seit März 2008 das Evangelische Jugendwerk. Geplant ist eine Zusammenarbeit mit dem VFL Pinneberg, um regelmäßig Nachrichten aus dem Verein zu senden.

Lernen durch Lehren mit der Schülermedienlosenausbildung

Eine besondere Säule des Radioprojekts ist die Schülermedienlotsenausbildung (SML), die für Zehntklässler/innen der Johannes-Brahms-Schule angeboten wird. Das Programm orientiert sich an dem vom OKSH entwickelten Konzept: Die Ausbildung dauert ein Jahr, umfasst 80 Stunden und beinhaltet Medienpraxis, Medientheorie und Medienpädagogik und kombiniert hörfunk-journalistische Grundlagen mit wesentlichen Elementen der Gruppenleiterausbildung. Ziel ist es, die fertig ausgebildeten Schülermedienlotsen in der Lage zu versetzen, eine Redaktionsgruppe von Radio Pinneberg eigenverantwortlich zu leiten und Neueinsteigern die notwendigen hörfunkjournalistischen Kompetenzen zu vermitteln. Nach erfolgreich absolvierter Ausbildung können die Medienlotsen in Kooperation mit dem Landesjugendring (LJR) die JuLeiCa (Jugendgruppenleiterschein) erwerben. Sie unterstützen die Radioarbeit im Unterricht in allen Pinneberger Schulen.

Inhalte der Sendungen

„Themen, Infos und Musik aus der Region“ lautet das Motto. Im ersten Jahr berichteten die Jugendlichen unter anderem über den Turnhallennotstand in Pinneberg, das Ferienpassangebot der Stadt, über Veranstaltungen wie das „Summer Jazz Festival“, das „Ackerfestival Kummerfeld“ und das „Wake Up PI“-Festival, über die Eröffnung der Wasserskianlage oder die Tanzturniere im VFL. Weiterhin wurden zahlreiche lokale Nachwuchsbands in Form von Interviews und Bandporträts vorgestellt (z.B. Blackened White, A Bitter Pill, Mindsweeper, Freans). Besonders unterstützt wurden Wohltätigkeitsaktionen: So wurde der JBS-Spendenlauf „Run for Help“ zugunsten von Multiple Sklerose-Patienten (DMSG) über mehrere Wochen redaktionell begleitet, unter anderem interviewten die Schüler Ärzte und weitere Experten zu diesem Thema. Ebenso umfangreich wurde über den Weihnachtsbasar zugunsten der Sorya-Schule im afghanischen Kabul berichtet.

Außerdem interviewten die Schüler auch überregional bekannte Politiker, Musiker und Fernsehstars wie z.B. Bundesernährungsminister Horst Seehofer, Ministerpräsident Peter Harry Carstensen, Bildungsministerin Ute Erdsieck-Rave, Tagesthemen-Moderator Tom Buhrow und die Bands „Wise Guys“, „Beatsteaks“, „Tomte“, „Kettcar“, „Antiflag“ und „One Fine Day“.

Vermittlung von Medienkompetenz

Die Bedeutung von Medien in unserer Welt, insbesondere in der Lebenswelt der Schüler, hat in den letzten Jahren massiv zugenommen, und es ist zu erwarten, dass sich diese Entwicklung eher noch beschleunigen als verlangsamen wird. Besonders die Trennung von Produzenten und Rezipienten fällt immer schwerer. Mediale Produkte werden von jedem Jugendlichen gleichzeitig produziert und konsumiert (User Generated Content: Weblogs, Foren, MyVideo, YouTube, MySpace, BILD-Leserreporter etc.).

Obwohl die Schüler Medien intensiv konsumieren und produzieren, haben sie zunehmend Schwierigkeiten, sich in der medialen Welt zurechtzufinden. Schuld daran ist die kontinuierlich zunehmende Vermischung von Fakten und Fiktion (Second Life, Reality-Shows, Doku-Soaps, etc.); Realität und Virtualität werden von Jugendlichen zunehmend nicht mehr unterschieden. Die Vermittlung von Medienkompetenz durch die Schule soll hier entgegenwirken und eine distanzierte und reflektierende Mediennutzung ermöglichen. Nur wenn die Schule sich die modernen Medien als Unterrichtsmittel zu eigen macht, hat sie die Chance, Schüler zu einem bewussten und freiheitlichen Umgang mit diesen Medien zu erziehen.

Den Ergebnissen der JIM-Studie 2004[1] zufolge würden 39 % der Jugendlichen in Deutschland gerne einmal eine Radiosendung gestalten bzw. ein Hörspiel produzieren. Nur 3 % hatten aber bisher die Gelegenheit dazu. In einer Befragung im Jahr 2006 gaben nur 8% aller Lehrkräfte an, Medien in ihrem Unterricht regelmäßig thematisiert zu haben.[2]

Radio Pinneberg und die JBS möchten hier beispielhaft wirken und zeigen, was machbar ist. Eine betont produktiv-handlungsorientierte Ausrichtung der schulinternen Curricula entspricht nicht nur den Wünschen der Schüler, sondern auch deren Lebensgewohnheiten. Die Jugendlichen erwerben dadurch sukzessive die Kompetenz, mediale Produkte kritisch zu beurteilen und eigenständig mediale Produkte herzustellen. Durch die Auseinandersetzung mit fremden und eigenen medialen Produkten steigt auch das allgemeine Interesse der Schüler an politischen, wirtschaftlichen und  sozialen Themen, das sonst oft eher schwach ausgeprägt ist.

Einbindung in den Unterricht

Neben den Redaktionsgruppen am Nachmittag, die in das Ganztagsangebot der JBS eingebunden sind, wird das Radioprojekt zunehmend in den Unterricht der Johannes-Brahms-Schule integriert. Das Medium Radio wird v.a. im Deutschunterricht thematisiert und der Unterricht durch produktive Arbeitsverfahren ergänzt (z.B. Hörspielproduktion, Goethes „Zauberlehrling“ in eine Audiofassung umwandeln, literarische Figuren als Studiogäste interviewen). Grundsätzlich werden aber Unterrichtsergebnisse aller Fächer und Alterstufen in Form von Hörfunkbeiträgen wiedergegeben und in den Sendungen von Radio Pinneberg ausgestrahlt.

Darüber hinaus bietet die  JBS als einzige Schule im Land ein Medienprofil (gesellschaftswissenschaftliches Profil II) an: Medien- und gesellschaftswissenschaftliche Fragen stehen im Mittelpunkt; Deutsch, WiPo, Geschichte, Musik und Informatik arbeiten dabei fächerübergreifend zusammen. Im Seminarfach setzen sich die Schüler und Schülerinnen intensiv mit dem Medium Radio auseinander und erwerben auf diesem Gebiet Kompetenzen. Im Seminarfach des Medienprofils (verbindlich) wie auch der anderen Profile (fakultativ) entstehen Beiträge für RadioPinneberg. Außer RadioPinneberg werden die Schülerzeitung und die Internet-AG integriert, um Medienkompetenz vermitteln zu können.

Eine 7. und zwei 8. Klassen haben im vergangenen Jahr die unterrichtliche Möglichkeit erhalten (je 2 Wochenstunden), kreativ und projektorientiert zu arbeiten, als Produkt Beiträge für das Radioprojekt zu gestalten und solide Medienkompetenz auf diesem Gebiet zu erwerben. Nebenbei dient diese Unterrichtsorganisation der Nachwuchsgewinnung.

Für die entsprechenden Voraussetzungen im Kollegium wird gesorgt. Projektleiter Sebastian Marcks hat im Rahmen der Medienakademie des Offenen Kanals in Kooperation mit dem Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen (IQSH) bereits dreimal eine zweitägige Fortbildung zum „Radioführerschein“ für Lehrkräfte aller Schulen in Schleswig-Holstein durchgeführt. Dies soll in Abständen wiederholt und fortgeführt werden. Dabei werden Grundlagen im Umgang mit dem Sendestudio, den Aufnahmegeräten und der Audioschnittsoftware vermittelt und Impulse zum Einsatz im Unterricht gegeben.

Weiterentwicklung / Offenes Schulradio Pinneberg

Diese Lehrerfortbildung soll künftig zweimal jährlich in Kooperation mit dem OKSH und dem IQSH angeboten werden. Ziel ist es, dass langfristig Lehrer aller Schulen in Pinneberg mit ihren Schulklassen im Unterricht Radiobeiträge und Sendungen produzieren, die im Programm von Radio Pinneberg ausgestrahlt werden können.

Sebastian Marcks hat inzwischen eine Planstelle an der JBS erhalten, sodass er sich von einer soliden Basis aus dauerhaft dieser Arbeit widmen kann. Als Studienleiter Pädagogik am IQSH bietet er für Referendare einmal pro Halbjahr das Wahlmodul „Radio in der Schule – Schule im Radio“ an.

Radio Pinneberg als Modellprojekt

Die positive Resonanz nach der Projektpräsentation beim Landesfachtag Deutsch im April 2008 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat gezeigt, dass landesweit ein Interesse an diesem Projekt besteht. Auch auf dem Landesfachtag Deutsch 2009 stellt das Radio-Pinneberg-Team der JBS das Projekt vor. Es bietet daher zusammen mit dem IQSH Hilfe und Betreuung beim Aufbau eines eigenen Schulradios an anderen Standorten in Schleswig-Holstein an. Eine entsprechende Abrufveranstaltung kann beim IQSH gebucht werden. U.a. mit dem Radioprojekt beteiligt sich die JBS am Projekt „Zukunftsschule-SH“.

Seit August 2009 sind fünf weitere Schulradios auf Sendung (IGS Lütjenmoor, GGS Hennstedt, Marion-von-Dönhoff-Gymnasium Mölln, Anna-Siemsen-Schule Lübeck, GS Friedrichsort), die sich an dem Modell „Radio Pinneberg“ orientieren. Alle Schulradios sollen (u.a. über die Plattform www.radio.rockt.es) mittelfristig eng vernetzt werden.

www.radiopinneberg.de

Kontakt:

Sebastian Marcks

Studienrat z.A. / Projektleiter

Radio Pinneberg in der Johannes-Brahms-Schule

Fahltskamp 36

25421 Pinneberg

Tel. 04101 – 59 25 24 begin_of_the_skype_highlighting 04101 – 59 25 24 end_of_the_skype_highlighting

Fax. 04101 – 59 25 25


[1] Jugend-Information-(Multi)media;  http://www.mpfs.de (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest).

[2] Gudrun Marci-Boehncke und Matthias Rath: Jugend – Werte – Medien: Die Studie. Weinheim/Basel 2007, S. 204.